REICHTUM GERECHT VERTEILEN - 5 Milliarden Euro Vermögenssteuern Die Grünen Wien

Jugend in der Armut

90.000 Kinder leben in Österreich in Armut, rund 250.000 sind armutsgefährdet. Das geht aus dem Sozialbericht für die Jahre 2007 und 2008 hervor. Durchschnittlich sind 12% der Bevölkerung armutsgefährdet. Bei Kindern und Jugendlichen unter 20 sind das jedoch 14% der männlichen und sogar 16% der weiblichen Bevölkerung. Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren machen 28% der armutsgefährdeten Bevölkerung aus, also mehr als ein Viertel.

Bildung

Werden regionale Unterschiede außer Betracht gelassen, sieht frau/mann, dass 71% der 10 bis 14-Jährigen aus armutsgefährdeten Haushalten eine Hauptsschule besuchen, während der Anteil bei Kindern aus nicht armutsgefährdeten Haushalten 59% beträgt. Umgekehrt besuchen nur 29% der Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten eine AHS, hingegen 41% aus den nicht armutsgefährdeten Haushalten.

Der Zugang zu Bildung ist in Österreich nach wie vor keine Frage von Interesse und Berufswunsch, sondern eine Frage der sozialen Herkunft. Haushaltseinkommen und Ausbildung der Eltern entscheiden über den weiteren Weg des Kindes.

Zwei Drittel der Eltern von AHS-SchülerInnen haben selbst eine Matura absolviert, bei Eltern von HauptschülerInnen ist der Anteil nur ein Drittel. Auch der Weg an die Universität wird Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Haushalten nach wie vor durch vielen Hindernisse erschwert und großteils unmöglich gemacht. Dieses auf den ökonomische Voraussetzungen der Eltern basierende Bildungssystem trägt nicht dazu bei, soziale Unterschiede aufzuheben sondern zementiert sie ein.

Ein gerechter kostenloser Zugang zu Bildung hilft der Armutsfalle zu entkommen. Im Moment wird Armut vererbt, und das kann durch einen offenen Zugang zum Bildungssystem verbessert werden.

Jugendarbeitslosigkeit

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen steigt bedingt durch die Finanzkrise massiv. Im Februar 2009 waren 47.428 Jugendliche bis 24 Jahre arbeitslos. Das bedeutet eine Arbeitslosenquote von 8,8%, die deutlich über dem österreichischen Schnitt von 8,3% liegt. Besonders stark betroffen ist die Gruppe der 20 bis 24-Jährigen (in dieser Altersgruppe gab es besonders viele LeiharbeiterInnen, die nun als Erste gekündigt wurden). Sie sind mit 10,5% (36.900 in absoluten Zahlen) überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen. Jugendliche bis 19 Jahre erscheinen hingegen „nur“ zu 5,5 % (10.529 in absoluten Zahlen) in Arbeitslosigkeit, was daran liegt, das Jugendliche bis 21 zu großen Teilen noch in Ausbildung und zudem überdurchschnittlich in AMS Maßnahmen sind.

Die Ausbildung spielt bei der Betroffenheit von Arbeitslosigkeit eine große Rolle: So liegt sie bei Menschen mit Pflichtschulabschluss bei 14% während sie bei Menschen mit Hochschulabschluss bei 2008 bei 1,9 %Prozent liegt.

Jugendverschuldung

21% der KlientInnen, die Beratung bei der SchuldnerInnen- und Familienberatung in Anspruch nahmen waren unter 25 Jahren (die aktuellsten Zahlen dazu stammen aus dem Jahr 2002). Als Ursachen gelten falsche Versprechungen von Banken (Vorstellung „Ich kann mir alles leisten), Konsumdruck, Vorbild von Eltern und Gesellschaft, die unsichere Erwerbssituation junger Menschen (Stichwort atypische Beschäftigung), Lehrstellenknappheit, Jugendarbeitslosigkeit, etc.

Das Ausstattungsniveau im Elternhaus wird dann zum Schuldenrisiko, wenn junge Menschen nach dem Auszug aus dem Elternhaus in eine eigene Wohnung auf das gewohnte hohe Niveau nicht verzichten wollen, ohne jedoch über die entsprechende finanzielle Basis zu verfügen.

Zahlen und Fakten

15% aller Kinder, Jugendlichen und finanziell abhängigen jungen Erwachsenen in Österreich leben in armutsgefährdeten Haushalten. Bei der Betrachtung der Armutsgefährdung sind es zwei Familientypen, die ein deutlich erhöhtes Gefährdungsrisiko für Armut aufweisen.

  • Alleinerziehende ohne Erwerbseinkommen (50% der Armutsgefährdungsrate)
  • Familien (Mehrpersonenhaushalte) mit 3 oder mehr Kindern (ca. 16% Armutsgefährdungsrate).

8% der Bevölkerung unter 27 Jahren leben in Haushalten, die bei der Ernährung und bei der Kleidung sparen müssen, 3% beim Heizen und bei Arztbesuchen. Für unerwartete Ausgaben können beinahe ein Drittel der Haushalte in dem Kinder und Jugendliche unter 27 Jahren leben, nicht aufkommen, in 5% dieser Haushalte bestehen erhebliche Zahlungsrückstände. 7% der Bevölkerung insgesamt, aber 13% der Kinder und Jugendlichen leben in überbelegten Wohnungen. Sie haben mit großer Wahrscheinlichkeit kein eigenes Zimmer, zu wenig Platz zum Spielen, Lernen usw. Für 8% der jungen Menschen insgesamt und 21% der Armutsgefährdeten unter 27 Jahren ist es nicht möglich, dass abgetragene Kleidung durch neue ersetzt wird. Für 6% aller Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationstechnologien erschwert: Sie haben aus finanziellen Gründen keinen PC zu Hause, 10% können sich keinen Internetanschluss leisten. Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten Haushalten haben vergleichsweise noch seltener die Möglichkeit, sich zu Hause mit PC (für 20% nicht leistbar) bzw. Internet (28%) vertraut zu machen.

Kostenlose öffentliche Einrichtungen

Jugendliche profitieren von kostenlosen öffentlichen Einrichtungen und Angeboten besonders, weil sie sie vermehrt in Anspruch nehmen/nehmen müssen. Die Umverteilung zu Jugendlichen kann also ein Stück weit durch relativ einfache Maßnahmen im Bereich öffentlicher Einrichtungen und Angebote erreicht werden.

Hier sind unter anderem die kostenlose Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln, die kostenlose Benutzung von Freizeit- und Sporteinrichtungen zu erwähnen.

Jugendliche sind besonders von der Umverteilung von öffentlichem Raum betroffen. Überall dort wo Konsumzwang schon herrscht oder gerade eingeführt wird, werden Jugendliche entweder vertrieben oder dazu angehalten Geld auszugeben, dass sie großteils nicht haben.


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